Die CeBIT-Highlights aus dem „Forschungslabor“ in Halle 6

Wohin führt uns der digitale Wandel? Woran tüfteln die Wissenschaftler führender Forschungsinstitute? Die CeBIT gewährt vom 14. bis 18. März einen Blick hinter die Kulissen der Labore und zeigt, was heute technisch machbar ist und morgen Realität sein kann. Die Bandbreite der Exponate in Halle 6 reicht vom Touchdisplay mit 3D-Inhalten über mobile Konstruktionsroboter bis zum sicheren Schlüssel für die Cloud.

CeBIT 2016

Hannover. Wer mit eigenen Augen sehen möchte, wie sich ein gewöhnliches Touchdisplay mit 3D-Inhalten erweitern lässt, sollte auf der CeBIT den Fraunhofer-Gemeinschaftsstand ansteuern (Halle 6, B36). Ein kleines, pyramidenförmiges Accessoire namens JUWL befreit Multimedia-Inhalte aus der Zweidimensionalität eines gewöhnlichen Bildschirms und macht sie holographisch erfahrbar. Dank der flexiblen Softwarearchitektur soll sich das Exponat von Fraunhofer IAO (Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation) für zahlreiche Anwendungen eignen – zum Beispiel als interaktive Ergänzung bei Ausstellungen.

Smarte Fabrikation im Lego-Look und Deep Learning mit dem größten Bilderschatz der Welt

Wie künftig die Produktion in einer smarten Fabrik aussehen kann, demonstriert das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI; Halle 6, B48). In einem innovativen Szenario zeigt der Lego-Showcase den Einsatz von Methoden des Geschäftsprozessmanagements im Kontext von Industrie 4.0. Zunächst wird ein flexibler Prozess für die Fertigung von Traktoren in mehr als 30 Varianten geplant. Davon ausgehend erfolgt die vollautomatisierte Steuerung und Überwachung der tatsächlichen Produktion in einem cyberphysischen System. Unter Berücksichtigung menschlicher Arbeitsschritte wird der Fertigungsprozess in Echtzeit am Modell visualisiert und analysiert, um unmittelbar auf eventuell auftretende Fehler reagieren zu können. Ein weiteres DFKI-Projekt beschäftigt sich mit Deep Learning. Ein neuer Aspekt des Maschinellen Lernens ist das Erkennen von Empfindungen aus Bildern. Diese Fähigkeit wird auf der CeBIT mit dem derzeit größten Bilddatensatz der Wissenschaft demonstriert, dem Yahoo Flickr Creative Commons 100 Million (YFCC100m), und ermöglicht eindrucksvolle Anwendungen für Industrie, Medien und Gesellschaft.

Innovative Recherche-Tools für die Medien, intelligente Roboter auf der Baustelle und Smartphone-Steuerung wie von Geisterhand

Um Journalismus in Zeiten von Big Data geht es im Forschungsprojekt News-Stream, das vom Fraunhofer IAIS (Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme) am Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) vorgestellt wird (Halle 6, A34). Mit wenigen Klicks können sich Journalisten Tausende von Inhalten aus Videoplattformen, RSS-Feeds, Medienarchiven oder sozialen Medien auf den Bildschirm holen, vergleichen und automatisiert auswerten lassen.

„Was bewegt die Welt?“, fragen auch die Initiatoren des Projekts DataTwiSt. Die innovative Software aus dem Institut für Informatik der Universität Osnabrück wertet die Nachrichtenströme von Twitter aus und ermöglicht es damit Politikern und Unternehmern, sich einen Eindruck über das aktuelle Meinungsbild in der Bevölkerung zu bestimmten Themen zu verschaffen. Die Ausgabe der Ergebnisse erfolgt in ansprechenden Grafiken (Halle 6, A18).

Roboter sind im Kommen. Dass der Einsatz digitaler Technologien bei der Konstruktion von Gebäuden völlig neue Ansätze ermöglicht, zeigt die ETH Zürich aus dem CeBIT-Partnerland Schweiz mit ihrem „In situ Fabricator“ (Halle 6, D30). Das mobile Robotersystem transferiert die Leistungsfähigkeit und Flexibilität einer digitalen Fabrikation direkt auf die Baustelle. Auch den CeBIT-Stand der Hochschule hat der „In situ Fabricator“ konstruiert.

Geräte steuern ohne Tippen: Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) macht diesen Traum wahr. Mit der Software Kinemic lassen sich PCs, Smartphones und Datenbrillen freihändig steuern – durch simple Gesten oder das einfache Schreiben der Wörter in die Luft. Dabei werden die Hand- oder Armbewegungen von einem Sensorarmband oder einer Smartwatch erfasst und automatisch in Kommandos und Texte übersetzt. (Halle 6 , A30).

Drohnen als Umwelthelfer, Ladestrom aus der Crowd und Experteneinblicke in die Zukunft des Internets

Mit der Konstruktion unbemannter Luftfahrzeuge beschäftigt sich die Technische Hochschule Wildau. Auf der CeBIT zeigen die Forscher ihr Konzept für eine Drohne, die mit modernster Technik zur Partikel- und Schadstoffmessung ausgestattet ist, um Einsätze unter extremen Umweltbedingungen zu fliegen. In einem weiteren Projekt wird ein Fluggerät für die Landwirtschaft entwickelt, das große Ackerflächen überwachen kann.

Ein Problem für die Besitzer von Elektroautos ist die geringe Zahl an Ladesäulen. Abhilfe schaffen will das Projekt CrowdStrom, das auf der CeBIT am Gemeinschaftsstand der Hochschulen NRW vertreten ist (Halle 6, C30/D29). CrowdStrom entwickelt Technologien und Geschäftsmodelle, damit private Elektromobilisten ihre Steckdose in der Garage während ihrer Abwesenheit öffentlich zugänglich machen können.

Seit Jahren nehmen die Berichte über Cyberangriffe auf Regierungseinrichtungen, Banken und Krankenhäuser zu. Wie können solche Attacken vermieden werden, und welche neuen Gefahren entstehen durch das Internet der Dinge oder durch Connected Cars? Diese Fragen werden auf der CeBIT vom Horst Görtz Institut für IT-Sicherheit an der Ruhr-Universität Bochum beantwortet. (Halle 6, D29). Täglich präsentieren Wissenschaftler des Instituts aktuelle Forschungsergebnisse, beispielsweise zu neuartigen Strategien für die Passwortvergabe oder zur Entwicklung effizienter Verschlüsselungsverfahren.

Interaktiver Ampelaufsatz, App für Klettersportler und ein sicherer Schlüssel für die Cloud

Im Rennen um den prestigeträchtigen CeBIT Innovation Award 2016 haben sich drei junge Forscherteams für das Finale qualifiziert. Die Preisträger werden im März in Hannover ausgezeichnet und stellen am Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Halle 6, A34) ihre Projekte vor. ActiWait von der Urban Invention GbR ist ein interaktiver Aufsatz für einen Signalanforderungstaster an Fußgängerampeln, der nicht nur die Verkehrssicherheit erhöht, sondern auch als WLAN-Hot-Spot genutzt werden kann. Mit climbtrack vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz können Klettersportler mit geringem Aufwand ihren Trainingsfortschritt analysieren und dokumentieren. Darüber hinaus ermöglichen Augmented-Reality-Lösungen eine spontane Definition von Kletterrouten. Der von zwei Bonner Informatikstudenten entwickelte Cryptomator ist die erste zuverlässige, clientseitige Open-Source-Verschlüsselung für den Cloud-Speicher, die plattformunabhängig einsetzbar ist und sich auch für technisch weniger erfahrene Nutzer eignet.

Weitere wegweisende Exponate in Halle 6 reichen vom vernetzten Klinikmonitor mit Gestensteuerung über einen aufregenden Virtual Reality-Trip bis zur smarten Gürtelschnalle, die vor übereilten Einkäufen warnt.

Hannover. Auf der Intensivstation einer Klinik zählt jede Sekunde. Ärzte und Pfleger müssen in Notfällen rasch die richtigen Entscheidungen treffen. Forscher von Fraunhofer HHI (Heinrich-Hertz-Institut) haben einen intelligenten Monitor entwickelt, der die Abläufe in sensiblen Krankenhausbereichen optimiert. Der Bildschirm zeigt übersichtlich die Daten aller angeschlossenen medizinischen Geräte und lässt sich berührungslos mit Gesten und Sprachbefehlen steuern. Damit sinkt auch die Gefahr einer Übertragung von Krankheitserregern.

Automatisierte Kundenakquise, Logistik mit Zukunft, Serviceplattform für den 3D-Druck und Micro-Jobs per Smartphone-App

Ein automatisiertes Software-Tool, das Vertriebsmitarbeiter an potenzielle Kunden heranführt, haben die Wissenschaftler des Hasso-Plattner-Instituts entwickelt (Halle 6, D18). Das HPI-System identifiziert potenzielle Geschäftskunden anhand ihrer Beiträge in sozialen Netzwerken oder Foren. Die Social Media Suite sucht selbstständig nach verkaufsrelevanten Beiträgen und ordnet sie potenziellen Interessenten und Produkten zu. Außerdem zeigt das HPI auf der CeBIT eine neue Lösung für die Verschlüsselung von Funksignalen im Internet der Dinge.

Mit der Cloud-Lösung Flutaro möchte die Universität Potsdam auf dem Innovationsmarkt Berlin Brandenburg (Halle 6, C26) die Prozesse in der Logistik automatisieren. Wenn sich die Tourenplanung einfach und kontinuierlich an neue Ereignisse anpasst, lassen sich Leerkilometer verringern, Kosten sparen und Ressourcen schonen. Zusätzlich ermöglicht die Plattform die Vernetzung verschiedener Logistikunternehmen.

Wie aus einer Datei in Echtzeit ein preiswertes 3D-Modell entstehen kann, zeigen die Technische Universität Berlin und das Unternehmen 3YOURMIND (Halle 6, C26). Der Nutzer lädt seine 3D-Daten auf eine Plattform, auf der sie für die Verarbeitung optimiert werden. Parallel prüft das System die Preise verschiedener Druckanbieter im Internet, damit der Nutzer das günstigste Angebot wählen kann. Ein weiteres zukunftsträchtiges Projekt entstand in Zusammenarbeit mit den Telekom Innovation Laboratories: Crowdee soll die wachsende Nachfrage von Produktentwicklern und Marketingstrategen nach schnellem Kunden-Feedback befriedigen. Die Vermittlungsplattform vergibt im Auftrag von Unternehmen Micro-Jobs, Umfragen und User-Tests per App und analysiert die Ergebnisse mit Big-Data-Technologien.

Telematik für die E-Mobility, Schutzhelm mit Datenbrille, Erlebnisreise per Virtual Reality und die Zukunft des Mobilfunks

Unter dem Motto „Forschung für die Zukunft“ treten wissenschaftliche Einrichtungen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gemeinsam auf der Messe an (Halle 6, B24/A17). So hat die Friedrich-Schiller-Universität Jena ein Konzept für den Nutzverkehr mit Elektrofahrzeugen entwickelt. Die eTelematik-Lösung besteht aus einer Kommunikationshardware, die fahrzeugspezifische Betriebsdaten bereitstellt, einer mobilen Anwendung, die den Fahrer über anstehende Aufgaben informiert und einer Systemeinheit, die Betriebsdaten protokolliert, Abläufe definiert und Reichweitenprognosen bereitstellt. Darüber hinaus bietet die Hochschule die Möglichkeit, mit einer 3D-Brille aus der Ich-Perspektive an einem Rettungseinsatz teilzunehmen oder sich mit einem realen, elektrisch betriebenen MultiCar durch die 3D-Projektion einer Stadt zu bewegen.

Einen Schutzhelm mit integrierter Datenbrille stellt die Fakultät Elektrotechnik der Westsächsischen Hochschule Zwickau vor. Der in Zusammenarbeit mit GESIS (Gesellschaft für Informationssysteme) entwickelte Prototyp soll dabei helfen, innovative Technologien in der Stahlindustrie zu etablieren. Die Augmented-Reality-Technik bietet die Möglichkeit, im Arbeitsalltag wertvolle Zusatzinformationen ins Sichtfeld des Mitarbeiters einzublenden oder vor Gefahren zu warnen.

Mit einer Virtual Reality Experience (VRX) möchte die Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Produkte und Visionen erlebbar machen. Die Software ermöglicht die realitätsnahe Darstellung von Architekturen und Produkten in Echtzeit. Der Nutzer kann in die virtuelle Umgebung eintauchen und deren Inhalte hautnah erleben.

Seltene Einblicke in die fünfte Mobilfunkgeneration (5G), die 2020 eingeführt werden soll, gewährt die Technische Universität Dresden. Damit verbunden ist die Einführung des taktilen Internet, das mit Verzögerungszeiten im Millisekunden-Bereich und einer drastischen Steigerung des Datendurchsatzes ganz neue Anwendungen möglich macht – zum Beispiel für Connected Cars. Eine ganzheitliche Sicht auf den kommenden Mobilfunkstandard ist das Konzept des 5G Lab Germany, das unter anderem von der Deutschen Telekom, Ericsson, National Instruments, NEC, Nokia, Rohde & Schwarz sowie Vodafone unterstützt wird.

Sicherheitskit für Blutspendezentralen, auf Tuchfühlung mit dem Ingenieursnachwuchs und ein Gürtel, der vor übermäßigem Konsum warnt

Weltpremiere auf der CeBIT feiert das BioShare-Spenderkit von Twinsoft (Halle 6/C30): Diese Software soll die Arbeit in Blut- und Plasma-Spendezentralen erleichtern und sicherer machen. Zu den Vorzügen des Konzepts zählt neben einem papierlosen Registrierungsprozess und dem einfachen Reporting eine höchstmögliche Sicherheit während des Spendevorgangs, da das Programm auf Mobilgeräten mit Handvenenerkennung läuft und dadurch jeder Spender immer eindeutig identifizierbar bleibt.

Dass die IT-Branche nach talentiertem Nachwuchs sucht, dürfte bekannt sein. Neu ist die Fülle an Aktionen, die der VDI in seinem Jet-Café (Halle 6, A52) veranstaltet, um junge Leute für technische Berufe zu begeistern. Hier kommen niedersächsische Schüler mit Studierenden und IT-Profis in Kontakt. Die Jugendlichen können Reportagen über aktuelle Themen auf der CeBIT produzieren, die im Rundfunk bei Leinehertz 106,5 oder dem Bürgersender h1 ausgestrahlt werden (Projektpartner: Multi Media Berufsbildende Schulen, Hannover). Darüber hinaus erfahren sie, wie man einen 3D-Drucker entwickelt und was sich damit anfertigen lässt (Projektpartner: VDI Zukunftspiloten, KGS-Barsinghausen; Institut für Mehrphasenprozesse, Leibniz Universität Hannover).

Zum Abschluss ein originelles Exponat aus dem Wearable-Bereich, das die Fakultät Ingenieurswissenschaften und Informatik der Hochschule Osnabrück auf der Messe vorstellt. Die smarte Gürtelschnalle POB gibt ihrer Trägerin bei jedem Einkauf mit Kreditkarte oder Smartphone ein fühlbares Feedback. Wird eine Summe fällig, die das zuvor definierte Budget überschreitet, schnallt sich der Gürtel ein kleines Stück enger.

Über die CeBIT

CeBIT 2016

Die CeBIT in Hannover ist die weltweit wichtigste Veranstaltung für die Digitalisierung. Im Rahmen einer einzigartigen Verzahnung von Messe und Kongress präsentieren die beteiligten Weltkonzerne, Mittelständler und Startups die relevanten Themen der IT-Wirtschaft und Digitalisierung wie etwa Big Data and Analytics, Cloud-Anwendungen, Mobile, Social Business, IT-Sicherheit oder Internet of Things. Mehr als 200 Sprecher liefern bei den CeBIT Global Conferences in Keynotes und Foren den Überblick über die wichtigsten Trends und Themen der digitalen Welt. Partnerland 2016 ist die Schweiz.

Quelle und weitere Informationen über die CeBIT unter  www.cebit.de

Messegelände Hannover
Hermesallee
30521 Hannover

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