Verleihung des CeBIT Innovation Award 2016

HANNOVER, 15. März 2016 – In diesem Jahr haben das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche Messe AG bereits zum vierten Mal den mit insgesamt 100.000 Euro dotierten CeBIT Innovation Award verliehen. Die Auszeichnung wurde, wie in den Vorjahren, an drei besonders herausragende Innovationen auf dem Feld der anwendungsorientierten und datenschutzsensiblen IT-Entwicklung verliehen.

Preisverleihung am 15. März 2016 auf der CeBIT in Hannover

 Die drei Finalisten gemeinsam mit den Jurymitgliedern (v.l.n.r.) Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Prof. Wolfgang Wahlster, Prof. Dr. Gesche Joost, Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka, Annegret Kramp Karrenbauer, Ministerpräsidentin des Saarlandes, sowie Oliver Frese.© BMBF / Ralf Hansen

Die drei Finalisten gemeinsam mit den Jurymitgliedern (v.l.n.r.) Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Prof. Wolfgang Wahlster, Prof. Dr. Gesche Joost, Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka, Annegret Kramp Karrenbauer, Ministerpräsidentin des Saarlandes, sowie Oliver Frese. © BMBF / Ralf Hansen

 

Die Exponate der Preisträger wurden auf der CeBIT 2016 am Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ausgestellt. Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, überreichte die Preise an die Gewinner.

Messestand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Messestand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

 

1. Platz: climbtrack

Den mit 50.000 Euro dotierten Hauptpreis erhalten Felix Kosmalla und Frederik Wiehr vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) GmbH in Saarbrücken für ihre Entwicklung „climbtrack“. Durch die Nutzung von „climbtrack“ werden mittels Augmented Reality Übungssfortschritte und zurückgelegte Routen beim Training an Kletterwänden  dokumentiert. Kosmalla und Wiehr nahmen den Preis im Rahmen der erstmals stattfindenden „CeBIT Welcome Night“ am Abend des ersten Messetages aus den Händen von Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka entgegen.

Wanka lobte bei der Preisübergabe im Rahmen der CeBIT Welcome Night am Abend des 14. März 2016 die Arbeit der beiden Doktoranden und hob die Bedeutung von IT-Innovationen für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Deutschland hervor. Die von den beiden entwickelte Anwendung bietet neben der Dokumentation des Trainingsfortschritts auch Augmented-Reality-Lösungen zur spontanen Definition von Kletterrouten an.

Felix Kosmalla

Felix Kosmalla

 

Hintergrund

Diese Anwendung macht den Klettersport noch faszinierender: climbtrack bietet Kletterinnen und Kletterern Augmented-Reality-Lösungen zur spontanen Definition von Kletterrouten sowie einfache Möglichkeiten zur Analyse ihres Trainings-fortschritts. Betreiberinnen und Betreibern von Kletterhallen profitieren von dem System durch die Analyse von Kundenpräferenzen, beispielsweise der Häufigkeit der gekletterten Routen.

Live-Demonstration der Anwendung

Live-Demonstration der Anwendung

Der Klettersport zieht in den letzten Jahren immer mehr Freizeitsportlerinnen und Freizeitsportler in seinen Bann. Und wer nicht extra an die Felswände in den Alpen oder im Mittelgebirge reisen möchte, kann auch im Flachland in einer der vielen Kletterhallen seinem Hobby nachgehen.

climbtrack verleiht dieser Faszination eine zusätzliche Note: Denn mit der Kombination aus Smartphone App und einem zugehörigen Wearable Device können Klettersportler-innen und Klettersportler alle zurückgelegten Routen genau nachvollziehen, ihre Trainingseinheiten dokumentieren, neue Routen planen und mit anderen Klettersportlern vergleichen.

climbtrack besteht aus einer mobilen Kamera-Projektor-Einheit, dem betaCube, einer Smartphone-App und einem Wearable. Bei dem Wearable handelt es sich um ein Armband, das Kletterinnen und Kletterer – egal, ob Anfänger, Fortgeschrittene oder Kletterprofis – an den Handgelenken tragen. Es erkennt und registriert automatisch die Routen, die die Trägerinnen und Träger erfolgreich gemeistert haben.

betaCube - eine mobile Kamera-Projektor-Einheit

betaCube - eine mobile Kamera-Projektor-Einheit

 

Über die Smartphone App mit zusätzlichem Webportal können die Sportlerinnen und Sportler nicht nur ihren Trainingsfortschritt analysieren, sondern in der Community auch Routen bewerten und Kommentare erstellen. Die Trainingsassistenzfunktion kann sogar Routen für ein ausgewogenes Training mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden empfehlen.

Und auch die Betreiberinnen und Betreiber von Kletterhallen profitieren von der Applikation: Denn sie können genau nachverfolgen, welche Strecken die Sportlerinnen und Sportler in ihren Hallen am häufigsten auswählen – und somit weniger beliebte Routen durch neue, attraktivere Routen ersetzen.

Felix Kosmalla

Felix Kosmalla

climbtrack wurde von den beiden Forschern Felix Kosmalla und Frederik Wiehr des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) am Standort Saarbrücken entwickelt.

Weitere Informationen: www.climbtrack.com

2. Platz: ActiWait

Der mit 30.000 Euro dotierte zweite Platz geht im Jahr 2016 an die beiden Hildesheimer Entwickler Amelie Künzler und Sandro Engel von der Urban Invention GbR. Künzler und Engel präsentierten der Jury mit dem „ActiWait“-System ein innovatives Tool zur Nutzung von Fußgängerampeln als digitale Kommunikations-Hotspots während der Wartephase.

Sandro Engel und Amelie Künzler von der Urban Invention GbR

Sandro Engel und Amelie Künzler von der Urban Invention GbR

Amelie Künzler und Sandro Engel von der Urban Invention GbR in Hildesheim haben mit ActiWait einen interaktiven Aufsatz für einen Signalanforderungstaster entwickelt, der nicht nur die Verkehrssicherheit für Fußgängerinnen und Fußgänger erhöhen, sondern auch als WLAN-Hot-Spot genutzt werden kann.

Hintergrund

Er erhöht die Verkehrssicherheit und sorgt gleichzeitig für Unterhaltung an der roten Fußgängerampel: Der smarte Drücker ActiWait bereitet der Langeweile an Fußgängerüberwegen ein Ende.

ActiWait ist eine neue Generation von Ampeltastern. Entsteht während einer Rotphase Langeweile, bietet er Fußgängern die Möglichkeit, ihre Wartezeit in ein unterhaltsames Erlebnis zu verwandeln. Durch den Ampeltaster mit Touchscreen können Menschen auf unterschiedlichen Straßenseiten miteinander interagieren.

Damit hält ActiWait Fußgängerinnen und Fußgänger nicht nur davon ab, bei Rot die Ampel zu überqueren und sich damit einer hohen Unfallgefahr auszusetzen. Sie können auch die Wartezeit nutzen und sich mit Wartenden auf der anderen Straßenseite die Zeit mit einem kleinen Spiel vertreiben.

Der smarte Drücker ActiWait

Der smarte Drücker ActiWait

Und ActiWait kann noch mehr: Der Touchscreen kann Fußgängerinnen und Fußgängern im Prinzip jede Art von Angeboten machen – von einer Verkehrserziehungs-App an Schulwegen bis hin zu Lokalnachrichten und Werbeflächen in Innenstädten. Bürgerbefragungen können darüber stattfinden und live ausgewertet werden. Das ActiWait-Modul ist außerdem mit mobilem Internet ausgestattet und kann in ein kommunales WLAN-Netz eingebunden werden.

Bei ActiWait handelt es sich aus technischer Sicht um eine intelligente Erweiterung eines klassischen Signalanforderungstasters. Optisch ist der Druckknopf des alten Tasters durch ein Display ersetzt. Der Minirechner von ActiWait ist im Gehäuse versteckt, ein integriertes Funkmodul ermöglicht die drahtlose Kommunikation zur anderen Straßenseite. Damit ist das Gerät unabhängig von verfügbaren freien Leitungen einsatzfähig und kann auch als WLAN-Hot-Spot genutzt werden. Durch die Recheneinheit und den integrierten Touchscreen können Applikationen in beliebigen Varianten für ActiWait entwickelt werden. Die ActiWait-Taster können zentral verwaltet und mit einem Content Management-System schnell mit Inhalten versorgt werden.

ActiWait wurde von Amelie Künzler und Sandro Engel, Master-Studierende an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, entwickelt. Sie haben zusammen die Firma Urban Invention UG gegründet. Eines der unternehmerischen Ziele ist es, mit einem spielerischen Ansatz kreative Wege zu finden, das Lebensgefühl in Städten positiv zu verändern.

Weitere Informationen: http://urban-invention.de/

3. Platz: Cryptomator

Für eine besonders innovative Verschlüsselungstechnik erhalten Tobias Hagemann und Sebastian Stenzel den mit 20.000 Euro dotierten Sonderpreis für Usable Security and Privacy. Mit ihrer Anwendung „Cryptomator“ legen die beiden Bonner eine zuverlässige, clientseitige Open-Source-Verschlüsselung für den Cloud-Speicher vor, die plattformunabhängig einsetzbar ist und sich insbesondere für technisch weniger erfahrene Nutzerinnen und Nutzer eignet.

Mit Cryptomator haben zwei Bonner Informatikstudenten die erste zuverlässige, clientseitige Open-Source-Verschlüsselung für den Cloud-Speicher erfunden, die plattformunabhängig einsetzbar ist und deren Nutzung auch allen Anwenderinnen und Anwendern ohne fachlichen Hintergrund problemlos möglich ist. Auf der CeBIT 2016 wurden „Cryptomator“ deshalb mit dem Sonderpreis für Usable Security and Privacy ausgezeichnet.

Markus Kreusch und Christian Schmickler

Markus Kreusch und Christian Schmickler

Hintergrund

Einfach, vertrauenswürdig und massentauglich – Cryptomator ist die erste zuverlässige, clientseitige Open-Source-Verschlüsselung für den Cloud-Speicher, die plattformunabhängig einsetzbar ist und sich auch für technisch weniger erfahrene Nutzerinnen und Nutzer eignet.

Und so funktioniert Cryptomator: Die Benutzerin oder der Benutzer legt auf einer Festplatte Speicherplatz als ein oder mehrere „virtuelle Laufwerke“ an. Dieses neue virtuelle Laufwerk lässt sich wie jeder andere Speicherplatz nutzen, ist aber vergleichbar mit einem Tresor. Als sicherer Speicherort werden Daten und Ordner für den Nutzer kaum merklich verschlüsselt und auf Wunsch mit der Cloud synchronisiert. Cryptomator übernimmt dabei die Rolle des Schlüssels zum Tresor: Nur mit ihm können Nutzerinnen und Nutzer auf die Daten zugreifen.

Bislang erfüllt keine verfügbare Software die Anforderungen, einfach bedienbar auf Cloud-Synchronisation optimiert zu sein und gleichzeitig uneingeschränkte Sicherheit zu bieten. Viele Entwickler ignorieren das Zusammenspiel zwischen Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit und beschränken sich ausschließlich auf die technische Sicherheit.

Ganz anders Cryptomator: Die neue Software ergänzt die Cloud um Privatsphäre und Integritätsschutz. Nutzerinnen und Nutzer verschlüsseln die Daten auf einfach nutzbare, aber nachweisbar sichere Weise selbst. Die Verfügbarkeit von Daten in der Cloud bleibt dabei erhalten. Die verschlüsselten Daten in der Cloud sind auf jedem Gerät verfügbar – mit Cryptomator und dem richtigen Passwort. Damit steht erstmals eine Open-Source-Lösung bereit, die die drei wichtigsten Schutzziele der IT-Sicherheit in Einklang bringt, ohne die Nutzerfreundlichkeit zu beeinträchtigen: Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität.

Cryptomator hat den Anspruch, die erste nachweisbar wirksame, leicht zu bedienende und vollständige Verschlüsselungsanwendung für Privatanwender zu sein. Verbraucherinnen und Verbraucher können sie zum Beispiel nutzen, um Kontoauszüge, Verträge, Steuerunterlagen und private Urlaubsfotos zu speichern.

Überzeugend ist dabei vor allem die Sicherheit des Systems: Mit annähernd so vielen Schlüsselkombinationen wie es Teilchen im Universum gibt und einem eingebauten Brute-Force-Schutz, der selbst den mächtigsten Angreifer zwingt, jahrelang Spezialhardware zu betreiben, die mehr Energie schluckt, als das größte Kraftwerk der Erde produziert, ist der Schlüssel de facto nicht knackbar.

Die beiden Informatik-Studenten Tobias Hagemann und Sebastian Stenzel von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg bilden das Kernentwicklerteam von Cryptomator. Stenzel hat sich auf das Fachgebiet Komplexe Softwaresysteme und Hagemann auf Medieninformatik spezialisiert.

Weitere Informationen: http://www.cryptomator.org/


Wanka: „Preisträger setzen Maßstäbe“

Auch die inzwischen vierte Ausschreibung des CeBIT Innovation Award bot Softwareentwicklerinnen und -entwicklern, Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie Designforscherinnen und Designforschern aus ganz Deutschland die Gelegenheit, Softwarekonzepte und Hardwaretools zur Steigerung der Nutzerfreundlichkeit von IT-Anwendungen einzureichen.

 

Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka unterstreicht bei der Preisverleihung in Hannover die auch international weiter wachsende Bedeutung der deutschen IT-Forschung sowie die Kreativität der hierzulande tätigen Nachwuchsforscherinnen und -forscher: „Aus immer mehr Bereichen unseres Lebens ist die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien nicht mehr wegzudenken. Umso wichtiger sind eine intuitive Bedienbarkeit für breite Bevölkerungsschichten und Datenschutzvor-richtungen, auf die sich neben Experten auch Konsumenten verlassen können. Ich freue mich, dass die Preisträgerinnen und Preisträger des CeBIT Innovation Award hier auch im Jahr 2016 mit ihren Entwicklungen Maßstäbe setzen.“

Die Jury-Vorsitzende Gesche Joost, Professorin an der Universität der Künste Berlin und Internet-Botschafterin der Bundesregierung, stellte im Vorfeld der diesjährigen Preisverleihung zudem die thematische Breite der drei ausgezeichneten Beiträge heraus: „Mit den vorliegenden Einreichungen haben wir Jury-Mitglieder erneut einen beeindruckenden Überblick über die Kreativität, Leistungsfähigkeit und die thematische Breite der hierzulande stattfindenden Forschung auf dem Gebiet der Softwareentwicklung unter Usability- und Datenschutzgesichtspunkten erhalten. Die Exponate der drei Preisträger-Teams 2016 zeigen, dass sich Nutzerfreundlichkeit und Datenschutz im IT-Sektor nicht ausschließen, sondern wechselseitig bedingen und befördern können.“

Ideen finden Anwendung – die nächste Wettbewerbsrunde steht in den Startlöchern

Alljährlich wird die niedersächsische Messemetropole zum Schaufenster des globalen digitalen Wandels. In diesem Sinne versteht die CeBIT ihr Engagement als Namenspatin. „Auf der CeBIT können wir erleben, wie die digitale Transformation gerade von jungen, kreativen Ideen und Impulsen vorangetrieben wird. Es freut mich, wie deutsche Entwicklerinnen und Entwickler auf vielen Feldern nicht nur mithalten, sondern sogar als Schrittmacher von Innovationen auftreten“, so Oliver Frese, Vorstand der Deutschen Messe.

Der CeBIT Innovation Award bietet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine beeindruckende Bühne zur Vermarktung der eigenen Ideen.

Die Ausschreibung für den CeBIT Innovation Award 2017 beginnt bereits am 15. März 2016. Bewerbungsschluss ist der 15. Juni 2016.

Über die Jury des CeBIT Innovation Award

Auch im Jahr 2017 werden alle Einreichungen von einer hochkarätig besetzen Jury bewertet:

  • Jury-Vorsitzende Prof. Dr. Gesche Joost, Universität der Künste Berlin
  • Prof. Dr. Elisabeth André, Universität Augsburg
  • Prof. Dr. Sabine Boll-Westermann, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
  • Oliver Frese, Deutsche Messe AG
  • Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Nikolaus Röttger, Chefredakteur der deutschsprachigen Ausgabe des Magazins „WIRED“
  • Prof. Dr. Dr. Wolfgang Wahlster, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz Saarbrücken

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche Messe AG (DMAG) verleihen 2017 zum fünften Mal den CeBIT Innovation Award. Der Wettbewerb ist mit insgesamt 100.000 Euro dotiert. Gesucht werden herausragende Innovationen für größtmögliche Benutzerfreundlichkeit und intuitive Interaktion mit IT-Systemen. Die Exponate der Preisträger werden auf der CeBIT 2017 am Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ausgestellt. Zur CeBIT wird auch die Rangfolge der drei Preisträger bekannt gegeben.

Quelle und weitere Informationen rund um den CeBIT Innovation Award finden Sie auf der Website: www.cebitaward.de

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